Zerkleinerungsprinzipien

Warum wird zerkleinert?

Verschiedene Mühlentypen arbeiten nach unterschiedlichen Zerkleinerungsprinzipien. Welche Mühle letztlich zum Einsatz kommt, richtet sich nach dem Bruchverhalten des Mahlguts.

Hart-spröde Materialien werden vor allem durch Schlag-, Druck- und Reibkräfte zerkleinert, während weiche oder elastische Stoffe überwiegend durch Schneid- und Scherkräfte effektiv aufbereitet werden.

Für Grobkornbereiche ab etwa 40 mm kommen meist Brecher oder Schredder zum Einsatz. Kleinere Partikelgrößen werden hingegen mit Mühlen bearbeitet.

Grundsätzlich lassen sich bei der Zerkleinerung von Feststoffen verschiedene Beanspruchungsmechanismen unterscheiden.

Zerkleinerung von harten bzw. spröden Materialien

Druckbeanspruchung

Bei dieser Methode wird das Material zwischen zwei Flächen (z. B. den Werkzeugen einer Mühle) zusammengepresst, bis es bricht. Beispiele hierfür sind Backenbrecher und Walzenbrecher.

Zerkleinerung Druckbeanspruchung – Darstellung der Materialzerkleinerung zwischen zwei Flächen – Druckbeanspruchung bei Brechverfahren
Zerkleinerungsvorrichtung Prallbeanspruchung – Funktionsprinzip – Materialzerkleinerung durch Schlagwirkung

Prallbeanspruchung

Hier treffen die Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auf eine feste Oberfläche, wodurch sie in kleinere Fragmente zerlegt werden. Dies kann entweder durch das Mahlwerkzeug selbst oder durch die Mühlenwand erfolgen. Typische Beispiele sind Schwingmühlen, Planetenmühlen, Prallmühlen und Luftstrahlmühlen.

Reibbeanspruchung

Dabei wirken Reibkräfte zwischen dem Material und einer Fläche oder zwischen mehreren Flächen. Das Mahlgut wird quasi zerrieben. Beispiele hierfür sind Scheibenmühlen und andere Reibmühlen.

Reibmühle Zerkleinerung-Reibbeanspruchung – Darstellung der Reibkräfte – Mahlgutzerkleinerung

Zerkleinerung von weichen, elastischen und faserigen Materialien

Zerkleinerung Scherbeanspruchung – Schnittfläche – Feststoffzerkleinerung durch Schereffekt

Scherbeanspruchung

Bei dieser Methode wirken zwei oder mehrere Feststoffoberflächen gegeneinander, wodurch ein Schereffekt entsteht. Typischerweise bewegt sich eine Fläche, während die andere feststeht.
Beispiele: Schlagtrommühlen, Schlagkreuzmühlen, Ultraschallmühlen

Schneidbeanspruchung

Hier wird das Material zwischen zwei oder mehr scharfkantigen Flächen getrennt. Mindestens eine der Flächen besitzt eine Schneidkante, die das Material zerteilt.
Beispiele: Schredder, Schneidmühlen, Messermühlen

Zerkleinerung weicher, elastischer oder faseriger Materialien

Häufig gestellte Fragen

Die eingesetzte Mühle bestimmt nicht nur das Zerkleinerungsprinzip, sondern auch die erreichbare Partikelform, die Endfeinheit und den Durchsatz. Schlechte Mühlenauswahl kann zu übermäßigem Verschleiß, Hitzeentwicklung oder unzureichender Homogenisierung führen. Schwingmühlen kombinieren Prall- und Reibkräfte und eignen sich für kleine Proben sowie für trockene, nasse oder kryogene Mahlung. Bei einer KryoMühle wird das Mahlgut kontinuierlich mit Flüssigstickstoff gekühlt, wodurch es spröde wird und flüchtige Bestandteile erhalten bleiben. Schneidmühlen sind ideal für faserige oder elastische Materialien und liefern definierte Korngrößen, während Backenbrecher oder Kreiselbrecher für die Vorzerkleinerung großer, harter Brocken geeignet sind. Eine durchdachte Kombination mehrerer Mühlentypen gewährleistet, dass das Material effizient und schonend verarbeitet wird und die nachfolgenden Analyse‑ oder Produktionsschritte verlässliche Ergebnisse liefern.

Die Druckbeanspruchung ist eines der ältesten Zerkleinerungsprinzipien. Dabei wird das Material zwischen zwei festen oder beweglichen Flächen zusammengedrückt, bis es die innere Festigkeit überwindet und bricht. Typische Geräte wie Backenbrecher oder Walzenbrecher arbeiten mit diesem Prinzip: Die Proben werden in einen verengten Spalt geführt und durch mechanischen Druck zerlegt. Diese Methode ist besonders effektiv für harte und spröde Proben wie Erze oder Gestein, die unter Druck relativ spontan zerbrechen. Bei Primärbrechern wie Kreiselbrechern sorgt ein exzentrisch gelagerter Brechkegel für eine gleichmäßige Beanspruchung und hohen Durchsatz. Für zäh‑elastische Materialien ist das Druckprinzip weniger geeignet, da sie eher verformt als zerkleinert werden. Beim Einsatz ist darauf zu achten, dass das Material gleichmäßig zugeführt wird, um Brückenbildungen und ungleichmäßige Kornverteilung zu vermeiden.

Bei der Prallbeanspruchung wird die Probe durch hohe Geschwindigkeit mit einer festen Oberfläche in Kontakt gebracht. Die beschleunigten Partikel treffen auf Prallflächen oder Mahlwerkzeuge und zerplatzen durch die auftretenden Stoßkräfte. Kugel‑, Hammer‑ und Strahlmühlen nutzen dieses Prinzip, indem sie durch schnelle Rotationen oder Luftströme eine Vielzahl von Stößen erzeugen. Es eignet sich besonders für harte, spröde und kristalline Materialien, die beim Aufprall in feinere Partikel zerfallen. In Schwingmühlen wird dieses Prinzip mit Reibung kombiniert, um kleine Proben effizient zu homogenisieren; sie sind sogar für trockene, nasse und kryogene Vermahlung geeignet. Der endgültige Feinheitsgrad hängt von der Aufprallgeschwindigkeit, der Geometrie der Mahlwerkzeuge und der Mahlzeit ab. Prallbeanspruchung kann Wärme entwickeln; bei temperaturempfindlichen Proben oder Materialien mit flüchtigen Bestandteilen ist daher eine geeignete Kühlung ratsam.

Reibbeanspruchung beruht darauf, dass sich die Oberfläche eines Mahlwerkzeugs relativ zur Probe bewegt, sodass Reibkräfte zwischen beiden auftreten. Die Feststoffpartikel werden quasi abgeschliffen; dabei wirken Druck- und Schubkräfte gleichzeitig. Scheibenmühlen und Mahlplatten nutzen diese Gleitreibung, um weiche bis mittelharte Materialien zu mahlen oder zu homogenisieren. Die Wärmeentwicklung ist typischerweise höher als bei Druck- oder Schneidbeanspruchung, weil bei der Gleitbewegung kontinuierlich Energie in Wärme umgewandelt wird. Deshalb sollten Proben mit niedrigem Schmelzpunkt oder hitzeempfindlichen Bestandteilen entweder langsam gemahlen oder vorgekühlt werden. Reibbeanspruchung eignet sich gut, wenn eine gleichmäßige Korngrößenverteilung und eine sehr feine Endfeinheit benötigt werden, beispielsweise bei der Herstellung von Pulvern für analytische Bestimmungen. In vielen Mühlen wird Reibung zusammen mit Prall- oder Scherkräften eingesetzt, um ein effektiveres Zerkleinerungsergebnis zu erzielen.

Scherbeanspruchung tritt auf, wenn zwei Flächen gegeneinander verschoben werden und dazwischen liegendes Material mit einer Scherbewegung zerschnitten oder zerrieben wird. Dieses Prinzip eignet sich besonders für faserige, zähe und elastische Stoffe wie Kunststoffe, Gemüse, Holz oder Papier, die sich durch reine Druckbelastung nur schwer zerkleinern lassen. Rotor‑Schlag- und Kreuzschlagmühlen haben gegeneinander rotierende Werkzeuge, die die Probe scheren; die resultierende Korngröße lässt sich durch Siebe und Schnittgeschwindigkeit definieren. Vorteilhaft ist die geringe Wärmeentwicklung, wodurch wärmeempfindliche Proben geschont werden. Scherbeanspruchung erzeugt relativ saubere Schnittkanten und eine enge Korngrößenverteilung. Bei größeren Proben oder faserigen Materialien kann ein Vorzerkleinern sinnvoll sein. Für extrem elastische Produkte wird häufig eine Kombination aus Scher‑ und Schneidbeanspruchung eingesetzt.

Beim Schneidprinzip trennen scharfe Schneiden das Probematerial durch scheren oder hacken. Schneidmühlen, Schredder und Messerrotoren verfügen über Klingen oder Messer, die durch eine rotierende Bewegung die Probe in definierte Teilchen zerschneiden. Dieses Verfahren eignet sich für weiche, elastische, faserige und zähe Stoffe, zum Beispiel Pflanzen, Textilien, Kunststoffe oder Folien. Durch den scharfen Schnitt entsteht nur geringe Reibung und damit wenig Wärme, was Verfärbungen oder eine thermische Veränderung der Probe verhindert. Moderne Schneidmühlen wie die SM‑Serie ermöglichen variable Schnittgeschwindigkeiten und Siebeinsätze, sodass gewünschte Korngrößen reproduzierbar eingestellt werden können. Im Gegensatz zu reiner Druck- oder Prallbeanspruchung bleibt die Partikelform hier oft länglich oder schuppenartig. Für sehr harte und spröde Materialien ist Schneiden ungeeignet; hier empfehlen sich druck- oder prallbasierte Mühlen.

Klaus Ebenauer

Ing. Klaus Ebenauer

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